Wolfgang Herrndorf

Stimmen – Texte die bleiben sollten

*Rezensionsexemplar.

Im Jahr 2013 starb der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf mit nur achtundvierzig Jahren. Seine größten Werke haben Marcus Gärtner und Cornelius Reiber nun herausegeben und ihm zu Ehren im Herbst 2018 über den Rowohlt-Verlag veröffentlicht. Der Sammelband Stimmen- Texte die bleiben sollten beinhaltet ausgewählte und bedeutsame Geschichten des verstorbenen Autoren. Vor seinem Tod hat Herrndorf ihm ungenügende Texte vernichtet. Die im Buch befindlichen nicht, weshalb davon auszugehen ist, dass diese seinen Ansprüchen genügt haben.

Stimmen – Texte die bleiben sollten, ist eine bunte Mischung aus autofiktionalen Rückblicken des Autoren in Kindheit und Jugend. Wolfgang Herrndorf war neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller auch als Maler tätig. In seinen Texten werden sein Sinn für Witz und seine authentische Darstellung von den Gedanken, Überforderungen, Wünschen und Gefühlen eines Jugendlichen deutlich. Häufig scheint er von sich selbst als jungem Mann zu erzählen. Grundsätzlich glaubt man beim Lesen oft, Herrndorf selbst zu begegnen.

Ich habe hier und da Erzählungen von Wolfgang Herrndorf in Zeitungen gelesen, die Texte von ihm einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machten. Spätestens seit seinem Erfolg mit dem Roman Tschick ist seine Person in der Literaturszene weitläufig bekannt. Die Sprache ist oft lyrisch, in gereimter Form gehalten und behandelt inhaltlich neben der Jugend auch die Phase der schweren und unheilbaren Krankheit Herrndorfs, weswegen sich dieser 2013 das Leben nahm. Sentimental, mal tiefsinnig und melancholich berühren die Texte seine Leser. Ich habe etwas schwer in seine Art zu schreiben hineingefunden, mich aber dann doch mit dieser anfreunden können.

Im Gegensatz zu vielen anderen Literaturbegeisterten habe ich Tschick bisher nicht gelesen und mich bei Herrndorfs Werken direkt diesem Erzählband gewidmet und wurde nicht enttäuscht. Die Texte haben eine angenehme Länge, driften nicht in Nebensächlichkeiten ab und und sind eine beeindruckende Erinnerung an Herrndorfs Schreibkunst.

Wolfgang Herrndorf wurde 1965 in Hamburg geboren. Er war Schriftsteller, Maler und Illustrator. Herrndorf studierte Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Als Illustrator war er für Formate wie Luke & Trooke oder die Satire-Zeitschrift Titanic aktiv. Im Jahr 2002 veröffenrlichte er seinen Debütroman In Plüschgewittern. Mit Tschick gelang ihm acht Jahre später sein größter Erfolg. Herrndorf lebte in Berlin. Er beging am 26. August 2013 in Berlin Suizid.

★ ★ ★ ★


Wolfgang Herrndorf: Stimmen – Texte die bleiben sollten. Herausgegeben von Marcus Gärtner & Cornelius Reiber. Lyrik. Rowohlt Verlag, Berlin 2018. 192 Seiten. 18€.

2 Kommentare zu „Stimmen – Texte die bleiben sollten

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