Connie Palmen

Du sagst es.

*Rezensionsexemplar.

Du sagst es ist eine fiktive Autobiografie von Connie Palmen, veröffentlicht 2015 im Diogenes-Verlag. Darin schildert die Niederländerin das Eheleben der 1963 verstorbenen Schriftstellerin Sylvia Plath und ihrem Ehemann Ted Hughes, ebenfalls Dichter und Autor. Plath nahm sich Anfang der Sechziger Jahre das Leben und galt als schwierige Persönlichkeit, die unter schweren Depressionen litt. In diesem fiktiven Roman kommt endlich Hughes zu Wort, der Zeit seines Lebens nie über seine Ehe sprach.

Sylvia Plath und Ted Hughes lernen sich 1956 an der Cambridge University in England kennen. Wenig später heiraten beide. In den Jahre 1957 bis 1959 lebt das Ehepaar in Amerika. Währenddessen begibt sich Plath das zweite Mal in psychologische Behandlung (zuvor 1953 nach ihrem ersten Suizidversuch). Plath und Hughes kehren 1959 zurück nach England, wo 1960 ihre gemeinsame Tochter Frieda zur Welt kommt. Beide arbeiten an ihren Gedichten und Romanen, Hughes aber hat zunächst mehr Erfolg als seine Frau, weswegen diese immer mehr an sich zweifelt. 1962 wird ihr Sohn, Nicholas, geboren. Vier Wochen nach Veröffentlichung ihres einzigen Romans, im Januar 1963, nimmt sich Silvia Plath das Leben.

Sie gelten noch immer als berühmtestes, aber auch tragischstes Ehepaar der modernen Literatur: Sylvia Plath und Ted Hughes. Während sie nach ihrem Tod auf den Tron gehoben wurde, hat man Hughes verurteilt, ihn als Verräter hingestellt. Bis zum seinem Tod im Jahr 1998 hat er sich nie zu all dem geäußert. Palmen möchte, so scheint es, mit dieser fiktiven Biografie Hughes´ein wenig für Gerechtigkeit sorgen, den Mann zu Wort kommen lassen, der es besser wusste, der Plaths schwierige Phasen bis zu ihrem Selbstmord ertrug und bedingungslos an ihrer Seite stand.

Palmen gelingt ein spannender, bewegender Roman, indem sie darauf verzichtet ihre Protagonisten zu verurteilen. Sie schildert das Leben realistisch und einfühlsam, beschreibt das Kennenlernen von Plath und Hughes im Jahr 1957, erzählt vom beruflichem Erfolg von Ted Hughes, den Rückschlägen von Silvia Plath als Dichterin,  der Geburt ihrer Kinder, dem Leben in den USA und England, sowie dem entsetzlichen Suizid von Plath im Februar 1963. Palmens Sprache ist klar und frei von Schuldzuweisungen, geizt mit Emotionen und bewegt doch sehr.

„Je mehr der Schriftsteller der Außenwelt die Gelegenheit gibt, in seine Abgeschlossenheit einzudringen, desto mehr ist sein echtes Selbst der Gefahr ausgesetzt, korrumpiert und schließlich zerstört zu werden. Doch die Ansprüche, Erwartungen und Verlockungen des sozialen Lebens sind nichts im Vergleich zu den Bedrohungen aus dem eigenen Inneren heraus, zu den schwarzen Kräften, die auf die Zerstörung dessen aus sind, was an dir selbst heilig ist.

An dem Tag, da ich ihr begegnete, lernte ich diese Kräfte kennen. Ich dachte, sie gehörten zu ihr – meiner weißen Göttin, meiner zaghaften Muse – und ich könne sie gegen das Böse beschützen, aber ich begegnete in der Gestalt einer Frau meinen eigenen Dämonen.“

Die turbulente Ehe beider wird insbesondere durch die Stimmungsschwankungen Plaths, als Folge ihrer psychischen Erkrankung, deutlich. Sie gilt als kompliziert, unzufrieden und leicht zu verunsichern. Hughes unterstützt seine Ehefrau in jeder Lebenslage, steht ihre beruflichen Rückschläge mit ihr gemeinsam durch, hört nie auf an sie zu glauben und verliert vor allem nie ein schlechtes Wort über sie. Seine tiefe und aufrichtige Liebe gegenüber Sylvia Plath ist einmalig.

Plaths immenser Schaffensdrang und ihre fortwährenden Selbstzweifel machen es ihrem Ehemann nicht leicht. Hinzu kommen ihre herausfordernde Persönlichkeit und ihre Eifersucht. Im Jahr 1962 kommt es schließlich zur Trennung. Plath wird nach ihrem Tod zur Ikone der Frauenbewegung, während Hughes als Schuldiger abgestempelt wird. Er habe mit seinen Affären und der Trennung von Plath zu ihrem Tod beigetragen, heißt es. Er wird öffentlich denunziert und dennoch bleibt er stumm.

Die Autorin erzählt die Geschichte des Dichter-Paares in chronologischer Reihenfolge, schweift aber hin und wieder in die Vergangenheit oder Zukunft ab. So ist schon schnell klar, dass Plath sich umbringen wird und weshalb sie dies tut. Da es sich allerdings um eine Art der Biografie handelt und das Leben beider bekannt sein dürfte, stört das überhaupt nicht. Ich verfolge beide Leben und ihre Werke schon ziemlich lang, weswegen ich die Idee, Ted Hughes, acht Jahre nach seinem Ableben, sprechen zu lassen, sehr besonders finde.

Bewegend, erschütternd, aufwühlend. Grausam, liebevoll, bedingungslos. Lebendig, dramatisch, tödlich. Diese Gegendarstellung war lange überfällig.

Sylvia Plath

Sylvia Plath wurde am 27. Oktober 1932 in Jamaica Plain, Massachusetts, USA geboren. Sie war die älteste Tochter des Deutschen Otto Emil Plath und der aus Österreich stammenden Lehrerin Aurelia Schober Plath. Sie war eine amerikanische Schriftstellerin. Vor allem ihre Lyrik und ihr einziger Roman Die Glasglocke machen ihre Werke aus. Zudem schrieb sie Kurzgeschichten und Kinderbücher. In ihrem Roman verarbeitet sie autobiografische Erlebnisse. Mit Ted Hughes hatte sie zwei Kinder, Frieda und Nicholas. 1963 nahm sie sich in London das Leben. Nach ihrem Tod wurde sie zur Symbolfigur der Frauenbewegung.

Ted Hughes

Ted Hughes wurde 1930 als Edward James Hughes in West Yorkshire in England geboren. Er studierte Englische Literatur, Anthropologie und Archäologie. Er heiratete Plath 1956 und bekam mit ihr die Kinder Frieda und Nicholas. Hughes war erfolgreicher Schriftsteller und Dichter. Der Selbstmord seiner Frau traf ihn schwer. Er starb 1998 in London.

Connie Palmen wird 1955 als Aldegonda Petronella Huberta Maria Palmen im niederländischen Limburg geboren. Sie studierte Philosophie und Niederländische Literatur. 1991 erschien ihr Debütroman De Wetten. Sie war von 1999 bis zu seinem Tod 2010 mit dem Politiker Hans von Mierlo liiert und heiratete diesen kurz bevor er starb. Palmen lebt in Amsterdam.

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Connie Palmen: Du sagst es. Fiktive Autobiografie. Jij zegt het. Aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers. Diogenes Verlag, Zürich, 2015. 288 Seiten. 22€.

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