Junichiro Tanizaki

Der Schlüssel.

*Rezensionsexemplar.

Junichiro Tanizakis erotischer Tagebuchroman Der Schlüssel wurde erstmals 1956 veröffentlicht. Damals entging das Buch nur knapp einem Veröffentlichungsverbot, weil das provokante Werk in Japan auf heftige Gegenwehr stieß. Der Kein&Aber-Verlag hat den erfolgreichen Roman 2016 neu übersetzt. Vordergründig geht es um ein langjähriges japanisches Ehepaar auf der Suche nach der Erfüllung ihrer Obsessionen.

Ein japanisches Ehepaar in den Fünfziger Jahren: Er ist ein in die Jahre gekommener Literaturprofessor, der seine sinkende Potenz beklagt und seine Gattin für sexuell unersättlich hält. Sie ist einige Jahre jünger und möchte laut ihren Tagebuchaufzeichnungen ihrem Mann eine gute Ehefrau sein und ihre Pflichten erfüllen. Beide vertrauen ihre Intimitäten ausschließlich ihrem Tagebuch an.

Die Tagebücher sind es auch, welche den Rahmen der Geschichte bilden. Sowohl Frau als auch Mann nutzen diese, um ihre tiefsten Sehnsüchte niederzuschreiben. Dabei wird schnell klar, dass hinter den Aufzeichnungen wesentlich mehr steckt. Die Tagebücher werden zum manipulativen Instrument beider Eheleute. Beide behaupten von den Niederschriften des Anderes nichts zu wissen. Da dies aber (zumindest nicht in beiden Fällen) der Wahrheit entspricht, scheinen die sexuellen Entblößungen immer provokativer.

1956, dem Jahr der Veröffentlichung des Schlüssels löste dieses hitzige Debatten im Heimatland des Autoren Tanizaki aus. Darin ging es allen voran um den Vorwurf der Pornografie, welcher sich aufgrund der bis dahin bereits bekannten Themen Tanizakis aber auflöste. Der Autor machte bereits in seinen vorangegangen Büchern  Sexualität, Unterwerfung und Dominanz zum Mittelpunkt seiner Geschichten, sodass der Roman dem bisherigen Stil Tanizakis nur gerecht wurde.

„Ich schreibe dies nieder, weil ich es nicht mehr ertrage, nicht direkt mit ihr über diese Intimitäten unseres Schlafzimmers sprechen zu können. Von nun an werde ich ohne Rücksicht darauf, ob sie es heimlich lesen wird, so schreiben, als spräche ich zu ihr.“

Aufgrund der frühen Nachkriegszeit war die Veröffentlichung des Romans für viele Japaner ein literarischer Skandal. Junichiro Tanizaki gelingt ein Katz-und-Maus-Spiel der  besonderen Art. Immer im Mittelpunkt: die Obsessionen seiner Protagonisten. Verstörend und provozierend beschreibt er das Wechselspiel um sexuelle Macht und umschreibt spannend und literarisch ästhetisch die intimen Gedanken der Eheleute.

Schonungslos, abgründig und böse berichtet Tanizaki von der unbefriedigten Ehe zweier Menschen, die ausschließlich über ihre Tagebücher miteinander kommunizieren und am Ende die fatalen Folgen ihres Handelns zu spüren bekommen. Mich konnte die Story leider zu keiner Zeit packen. Die Idee ist interessant und zum Teil auch gut umgesetzt, im Großen und Ganzen bleibt es für mich aber eine Durchschnittsgeschichte.

Junichiro Tanizaki wurde 1886 in Tokio, Japan geboren. Er hat bis in die Sechziger Jahre zahlreiche Romane und Erzählungen veröffentlicht. Ein Jahr vor seinem Tod, 1964 wurde er als erster Japaner überhaupt zum Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters ernannt. Zudem galt er als Anwärter für den Literaturnobelpreis. Tanizaki starb 1965.

★ ★ ★


Junichiro Tanizaki: Der Schlüssel. Roman. Kagi. Aus dem Japanischen von Sachiko Yatsushiro und Gerhard Knauss. Kein & Aber Verlag, Zürich 2016. 22€.

 

2 Kommentare zu „Der Schlüssel.

    1. Jaaaa tatsächlich inzwischen schon. Eine Zeit lang habe ich das aber gar nicht. Es kommt zudem aber total auf das Buch an. Manchmal bin ich unsicher und gebe ihm eine Chance, schließlich kann das Ende oft noch retten. Da kommt es aber total drauf an. Rezensionsexemplare allerdings lese ich grundsätzlich zu Ende, weil ich es dem Verlag gegenüber einfach nur fair finde.

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