Veikko Bartel

Mörderinnen.

*Rezensionsexemplar.

Der ehemalige Strafverteidiger Veikko Bartel hat mit Mörderinnen ein faktenreiches Justiz-Sachbuch geschrieben, welches sich ausschließlich auf weibliche Täter beschränkt. Die realen Fälle stammen aus der Zeit, als der Autor aktiver Jurist war. Mit den vier Geschichten, die im Buch thematisiert werden, hat sich Bartel wohl die heftigsten seiner Laufbahn ausgesucht, denn allesamt sind nichts für schwache Gemüter. Das Buch erschien im Spätsommer 2018 im Mosaik-Verlag. Im kommenden März veröffentlicht der Verlag dann das männliche Pendant Mörder.

Direkt nach dem gelungenen Vorwort Bartels folgen die vier spannenden, aber auch schockierenden Geschichten. Dem Autoren ist es ein Bedürfnis, nicht primär die Tat, sondern insbesondere den Menschen hinter einer solchen zu sehen. Er schildert den langen Weg bis zum Mord und packt den Leser gezielt bei seinen Schwachstellen. Veikko Bartel möchte verstehen, warum Menschen so weit gehen, das Leben eines anderen zu beenden. Er verurteilt nicht, er bagatellisiert nicht, er gesteht seinen ehemaligen Klientinnen Menschlichkeit zu. Die erwähnten Kapitalverbrechen sind grausam und lassen nicht unberührt. Es fällt schwer, hinter diesen Taten den Menschen zu sehen, aber genau das, möchte Bartel erreichen.

„Jeder Mensch kann töten. Und er wird es tun, kommt er nur an eine ganz bestimmte Grenze.“

Dem ehemaligen Strafverteidiger gelingt mit seiner differenzierten Sichtweise und seiner klaren Sprache ein informatives und interessantes Protokoll aus dem Leben eines Anwalts. Bartel nennt zu Beginn des Buches seine persönlichen Beweggründe, gerade diesen Beruf ergriffen zu haben und setzt sich intensiv mit Gut und Böse auseinander. Das Vorwort, so ansprechend es auch formuliert sein mag, verliert aus meiner Sicht ab und an an Authentizität, weil es in mir das Gefühl weckt, man wolle mich als Leser mit allen Mitteln überzeugen. Genau das jedoch sollte nicht der Zweck sein. Viel mehr möchte ich aus einer anderen Perspektive mit Wissen bereichert werden und mich für neue Blickwinkel öffnen. 

Die Länge der Geschichten ist angemessen und beschreibt auf detaillierte Weise das Leben der Täterinnen vor der Tat. Folgend konzentriert sich Bartel auf den Prozess und das gefällte Urteil. Immer wieder musste ich mir vor Augen halten, dass es sich bei den erzählten Fällen nicht um Fiktion handelt, sondern die grausame Realität zeigt. Das Ziel des Autoren, mir als Leser begreiflich zu machen, weshalb Menschen so weit gehen können, andere zu töten und dies zum Teil auf sehr grauenhafte Weise zu tun, indem er die Lebensgeschichte seiner Klientinnen beleuchtet und auf ihre menschliche Seite zu lenken versucht, schlug bei mir weitestgehend fehl. Zu fürchterlich und grauenvoll sind die Taten, als dass es mir gelang, ihren Vollstreckern Empathie entgegenzubringen. 

Ein alles in allem rational und sachlich geschildertes Buch, welches aber hin und wieder zu sehr in persönliche Ansichten abschweift. Inhaltlich schafft es Bartel seine Leser mit Wissen zu füttern und zum Nachdenken anzuregen. Er gibt spannende Einblicke in seine Arbeit und bereichert mit Fachwissen. Auch ohne mich den Persönlichkeiten der Täterinnen intensiv hingeben zu wollen, ein kurzweiliges Buch, das sich gut lesen lässt. 

Veikko Bartel wurde 1966 in Chemnitz geboren. Nach der Wiedervereinigung studierte er Jura. Von 1996 bis 2011 arbeitete er als Rechtsanwalt in Potsdam. Seit 1998 war er als Strafverteidiger tätig. Mittlerweile ist er Dozent für Steuerrecht. Gemeinsam mit seiner Familie lebt er in Potsdam. 

★ ★ ★ ★


Veikko Bartel: Mörderinnen. Sachbuch. Mosaik Verlag, München 2018. 240 Seiten. 18€.

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