Maryam Madjidi

Du springst, ich falle.

*Rezensionsexemplar aus einer Leserunde.

Du springst, ich falle von Maryam Madjidi ist ein autobiografischer Roman aus dem Blumenbar-Verlag (Aufbau), veröffentlicht im Jahr 2018. Darin schildert die Autorin ihre schwierige Kindheit im Iran und das Großwerden in der Fremde.

Maryam ist noch ganz klein als sie ihre geliebten Spielzeuge verschenken soll. Aussortiert versteckt sie diese anschließend heimlich im Garten. Ihre Mutter und ihr Vater kämpfen für den Kommunismus im Iran und geben sich dem voll und ganz hin. Die Großmutter steht Maryam sehr nah und prägt sie entscheidend. In Frankreich soll für Maryam und ihre Eltern ein neues Leben beginnen. Aber das kleine Mädchen fühlt sich fremd. Sie versteht die Sprache nicht und das Essen will ihr nicht schmecken. Zudem fehlen ihr ihre Freunde und die geliebte Oma.

Madjidi erzählt die Geschichte ihres Lebens sehr lebendig und gefühlvoll. Die Tragik, mit der diese einhergeht, verkörpert sie mit viel Poesie. Es gelingt ihr, dem Leser den Riss, der durch ihre zwei Identitäten entstanden ist deutlich zu machen. Das Gefühl, heimatlos zu sein und ihre damit einhergehende Zerrissenheit schildert sie auf berührende Art und Weise. Ihre frühe Entwurzelung und die daraus resultierenden Ängste einer Exilantin vereint sie hierbei mit großen Hoffnungen in das noch Unbekannte.

„Auf provozierende Weise heißt: mit der Absicht, den reinen, keuschen Geist des Mannes zu beflecken, der natürlich stets bemüht ist, sich von diesen teuflischen Geschöpfen nicht in Versuchung bringen zu lassen, der mit seinen Gedanken allerdings derart tief im Arsch und im Geschlecht der Frauen steckt, dass schon das kleinste weibliche Härchen ihn vom rechten Weg abbringt.“

2003 begibt sich die damals dreiundzwanzigjährige Maryam erstmals wieder in ihr Heimatland, den Iran und verliebt sich dort. Zunächst fest entschlossen, ihr weiteres Leben dort zu verbringen wo ihre Wurzeln liegen, kehrt sie anschließend doch nach Frankreich zurück. Das Land, welches sie „nie verklärt sah“.

Bei den Formulierungen bedient sich die Autorin lyrischer Elemente, welche das Erzählte zu einem literarischen Genuss werden lassen. Die Trauer und der Schmerz über das Weggehen stehen dem Ankommen in nichts nach. Maryam Madjidi lässt Entwurzelung und Freiheitsgefühl in einem Roman verschmelzen. In rasantem Tempo und beeindruckender Sprache gelingt ein außergewöhnlicher Bericht über das Zurücklassen und Neuannehmen, das Entfliehen und die Zuflucht.

Ein sehr ergreifender Roman über die Suche nach der eigenen Identität und der wahren Definition des Begriffs Heimat.

Maryam Madjidi wurde 1980 in Teheran im Iran geboren und lebte ab 1986 mit ihren Eltern im französischen Paris. Sie studierte Literaturwissenschaften. Für Du springst, ich falle erhielt sie den Prix Goncourt du Premier Roman.

★ ★ ★ ★ ★


Maryam Madjidi: Du springst, ich falle. Roman. Marx et la poupée. Aus dem Französischen von Julia Schoch. Blumenbar, Berlin 2018. 224 Seiten. 18€.

2 Kommentare zu „Du springst, ich falle.

  1. Liebe Neri,

    das hört sich nach einem sehr traurigen aber auch lehrreichem Roman an. Und es ist bewunderswert, dass Maryam Madjidi das alles aufgeschrieben und veröffentlicht hat. Das ist mit Sicherheit nicht unbedingt einfach. Das Buch kommt auf meine Liste!

    Liebe Grüße
    Lisa Marie

    Gefällt 1 Person

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