Paulo Coelho

Veronika beschliesst zu sterben.

Veronika beschliesst zu sterben ist ein 1998 veröffentlichter Roman des brasilianischen Autoren Paulo Coelho. Das Buch handelt von der vierundzwanzigjährigen Veronika, welche beschließt Selbstmord zu begehen, ohne dass es ihr augenscheinlich an etwas fehlt.

Nachdem die junge Frau versucht hat, sich das Leben zu nehmen, wird sie in die psychiatrische Klinik Villete eingewiesen. Die Ärzte prognostizieren ihr einen schnellen Tod innerhalb von wenigen Tagen, da die Tablettenüberdosis ihr Herz zu sehr in Mitleidenschaft gezogen habe. In Anbetracht der ihr noch kurzen verbleibenden Zeit, beschliesst Veronika, das erste Mal in ihrem Leben so zu sein, wie sie es für richtig hält.

Die Erzählung spielt in Slowenien und beginnt im Spätherbst 1997, während der Konflikte nach der Teilung Jugoslawiens. So wird die politische Situation immer wieder thematisiert. Gleich zu Beginn der Geschichte baut Coelho seine eigene Person in die Handlung mit ein, was den Verdacht erweckt, es könne sich um reale Ereignisse handeln. Durch seine Vergangenheit in psychiatrischen Kliniken, wird der Bezug Coelhos deutlich.

„Veronika hatte die vier Schachteln eine Woche lang auf ihrem Nachttisch liegen gehabt, mit dem nahenden Tod geflirtet und sich ohne irgendwelche Sentimentalitäten von dem verabschiedet, was man Leben nennt.“

Achtung Spoiler.
Obwohl Veronika fest entschlossen ist, sterben zu wollen und die Tabletten bereits geschluckt hat, stört sie sich an einem Zeitungskommentar vom Schriftsteller Coelho, indem dieser die Frage nach der Lage Sloweniens stellt. Beeinflusst durch diese Frage und verärgert darüber, dass niemand ihr Heimatland zu kennen scheint, möchte sie noch vor ihrem Tod einen Leserbrief verfassen und an die Zeitung senden. Da Veronika die Tabletten bereits intus hat, wird sie bald darauf ohnmächtig. Wenig später erwacht sie in Villete, einer psychiatrischen Klinik und vermeintlichen Irrenanstalt, in Slowenien.

Schnell wird ihr klar gemacht, dass ihre Tage gezählt seien, da die Tabletten ihr Herz schwer und unwiderruflich geschädigt hätten. Veronika fällt es schwer, noch tagelang auf den Tod warten zu müssen, denn die Angst, dass ihr Zweifel an ihrem Suizid kommen könnten, ist groß. Im Folgenden lernt sie viele Patienten der Klinik kennen und freundet sich mit einigen an. Und so lernt sie dann doch den wahren Sinn des Lebens kennen.

Der Roman hat mich lange schon sehr neugierig gemacht und so war es an der Zeit, ihn zu lesen. Coelho verarbeitet, wie auch in vielen anderen seiner Bücher, eigene Erfahrungen, was ich sehr spannend finde. Er spielt mit den Schwächen seiner Leser und lässt diese sich selbst ertappen. Der Erzählstil ist aus meiner Sicht wenig anspruchsvoll, dennoch motiviert er zum Weiterlesen. Die Idee hinter dem Roman finde ich gelungen, die Umsetzung aber enttäuschend. Der Fokus verschiebt sich im Laufe der Erzählung viel zu sehr auf andere Charaktere und so wirkte das Buch auf mich teilweise wie eine Traumabewältigung des Autoren. Auch die Figuren werden nur unzureichend gezeichnet.

„Als ich die Tabletten genommen habe, wollte ich jemanden umbringen, den ich hasste. Ich wusste nicht, dass es in mir andere Veronikas gab, die ich lieben könnte.“

Die Hauptaussage des Buches ist wohl die, dass alle Menschen mehr Mut haben sollten, verrückte Dinge zu tun, was gleichbedeutend damit ist, Andersartigkeit zu fördern. Diesen Gedanken veranschaulicht Coelho sehr treffend, obgleich er zu häufig in autobiografische Muster abdriftet. Ein Buch, dass meines Erachtens viel mehr Potenzial gehabt hätte, aber so leider nur Mittelmaß bleibt.

Paulo Coelho wurde 1947 in Rio de Janeiro, Brasilien geboren. Er gilt als Bestsellerautor. Sein bekanntestes Buch ist Der Alchimist, welches weltweit über 200 Millionen Mal verkauft wurde. Er lebt mit seiner Frau in Genf, Schweiz.

★ ★


Paulo Coelho: Veronika beschliesst zu sterben. Veronika decide morrer. Roman. Aus dem Brasilianischen von Maralde Meyer-Minnemann. Diogenes Verlag, Zürich 2007. 224 Seiten. 10€.

4 Kommentare zu „Veronika beschliesst zu sterben.

    1. Ja, von „Hippie“ hab ich bereits gehört. Da sprach mich aber das Cover gar nicht an und deshalb hab ich es bisher nicht weiter beachtet. Mich muss ein Buch rein optisch sofort ansprechen. „Der Alchimist“ ist wirklich genial!

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