Guillaume Musso

Das Atelier in Paris.

*Rezensionsexemplar

Der neue Roman Das Atelier in Paris vom französischen Autoren Guillaume Musso erschien im Frühjahr 2018 im Pendo-Verlag, welcher zum Hause Piper gehört. Musso hat mit seinem neuesten Buch einen echten Thriller geschaffen. Handelnde Personen sind die ehemalige Polizistin Madeline und der Schriftsteller Gaspard, die, aufgrund eines Buchungsfehlers, zur selben Zeit im Atelier eines verstorbenen Künstlers wohnen. Der Ort entpuppt sich als äußerst faszinierend und birgt dunkle Geheimnisse.

Madeline möchte nach einer schweren Lebenskrise wieder zu sich zu finden. Auf der Suche nach einem geeigneten Ort entdeckt sie im Internet ein kleines Atelier am Ende einer Allee inmitten der französischen Hauptstadt. Sie ist sofort Feuer und Flamme, auch weil sie Verbindungen nach Paris besitzt. Ohne lange zu überlegen und obwohl das Atelier ihr Budget überschreitet, mietet sie es. Dort angekommen muss sie feststellen, dass es einen Irrtum bei der Buchung gab, denn der amerikanische Schriftsteller Gaspard hat das Atelier ebenfalls für sich entdeckt und möchte in aller Ruhe dort schreiben.

„Die Kunst ist ein Feuer, dass aus denjenigen entsteht, die sie verbrennt.“

Der Ort hat für beide sofort etwas Magisches und so dauert es nicht lange, bis nach und nach die Geheimnisse um das Leben des Künstlers Sean Lorenz und seiner Muse und späteren Ehefrau Pénélopé aufgedeckt werden. Das, was sich Madeline und Gaspard offenbart, sind nicht nur die beeindruckenden Bilder des Verstorbenen, sondern vor allem auch seine dunkle Vergangenheit und ein grausames Schicksal. Beide begeben sich auf die Suche nach Erklärungen und stoßen auf tiefe Abgründe und werden vor allem mit eigenen Dämonen konfrontiert.

Gleich zu Beginn der Geschichte lässt sich der typische Musso erkennen. Der gewohnt fesselnde Schreibstil, vom Leben gebeutelte Charaktere und Frankreich als zentraler Ort des Geschehens. Auch in Das Atelier in Paris versteht es Musso, verschiedene Genres effektvoll miteinander zu kombinieren. Das frühere Leben der Charaktere ist auch hier wichtiges Element der Erzählung. Ich mag die Art und Weise, wie es Musso gelingt, seine Protagonisten sehr lebendig und menschlich darzustellen. Er verzichtet auf Heile-Welt-Attitüden und zeigt das Leben seiner Figuren in all seinen Facetten.

„Doch irgendetwas hatte sie zurückgerufen. Die Intuition, dass die Geschichte ihres Lebens vielleicht doch noch einen Epilog verdiente.“

Ohne Frage bieten Handlung, Charaktere und Location jede Menge Potenzial. Guillaume Musso verliert sich meines Erachtens aber zu stark in Beschreibungen künstlerischen Equipments und geht dabei viel zu sehr ins Detail, sodass die Geschichte ab Mitte des Buches immer mehr an Reiz verliert. Die fürchterlichen Geschehnisse und die von Madeline und Gaspard ans Tageslicht beförderten Geheimnisse treten in den Hintergrund und der aufgebaute Spannungsbogen driftet in Langeweile ab. Ich lese seine Bücher immer mit großer Freude, auch, weil es Musso gelingt, Personen, Handlung und Nebenschauplätze miteinander zu vereinen und bis zum Schluss zu fesseln. Hier hatte ich mir einfach mehr erhofft.

Sehr untypisch für Musso ist auch, dass die Liebe sehr kurz kommt, was ich ihm in Anbetracht der wirklich guten Idee zu Das Atelier in Paris aber durchaus hätte verzeihen können. Am Ende ist es eine durchschnittliche Geschichte, die zwar anfangs fesselt und mit gut ausgearbeiteten Charakteren und einer interessanten Idee überzeugt, in der Umsetzung jedoch zu viele Schwächen aufweist.

Guillaume Musso wurde 1974 in Antibes, Frankreich geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften und arbeitete als Dozent und Gymnasiallehrer. Er gehört zu den erfolgreichsten Autoren der Gegenwartsliteratur. Seine Romane sind internationale Bestseller.

★ ★ ★


Guillaume Musso: Das Atelier in Paris. Un appartement à Paris. Aus dem Französischen von Eliane Hagedorn und Bettina Runge. Pendo Verlag, München 2018. 464 Seiten. 16.99 €.

8 Kommentare zu „Das Atelier in Paris.

  1. Meinst du „künstliches Equipment“ oder „künstlerisches“?

    Ich finde deine Rezension sehr aufschlussreich. Mir gefällt das Buch nach dieser Besprechung jedenfalls überhaupt nicht, aber v.a. auch deshalb, weil es sagenhaft kitschig wirkt.

    Ich finde Bücher OHNE diesen typischen Love Interest viel spannender. Die meisten drehen sich ja leider um (romantische) Liebesbeziehungen – aber sie treten damit hunderttausendfach in Büchern beschriebene Pfade immer noch mehr aus. Liebe, Liebe, Liebe. Als gäb’s nichts anderes.

    Spannender und origineller empfinde ich Bücher, die diesem Klischee-Thema mal entkommen. Oder – wenn schon Liebe – warum nicht die vielfältigen anderen Liebesformen, die immer zu kurz kommen? Die Liebe zwischen Geschwistern, zwischen Eltern und Kind, zwischen Tier und Mensch, zwischen alten Menschen usw. Es geht immer nur um die romantische Liebe junger Menschen und dann auch noch meist zwische Mann und Frau. Ich finde das so ermüdend. Kitsch und Klischee. Die Welt hat sich doch längst weitergedreht.

    Gitt sei Dank gibt es auch erfreuliche Ausnahmen auf dem Buchmarkt …

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    1. Ich meine natürlich „künstlerisch“, danke! Ich weiß, was du damit meinst. Auf kitschige Liebeskisten stehe ich auch nicht. Ich finde aber schon, dass es durchaus auch ganz schöne Liebesgeschichten gibt, die dann aber nicht alleine wirken sollten.

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      1. Ja, es gibt ganz wunderbare Liebesgeschichten, die auch als „romantische Mann-Frau-Story“ noch originell wirken, einfach weil sie z.B. eine faszinierende Sprache haben. Ein Beispiel ist da für mich „Uns gehört die Nacht“ von Jardine Libaire. Eigentlich eine total einsträngige und lahme Geschichte, aber die SPRACHE!!! Himmel – die Sprache ist göttlich und lässt Gold auf diese ausgelatschte Story regnen und damit wird sie ebenfalls zu Gold. Absolut empfehlenswert. Ich würde da eine 1+ vergeben!

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  2. Schade, dass das Buch dann ab der Mitte nachgelassen hat und dich somit nicht über die gesamte Länge überzeugen konnte. Für mich wäre es wohl nichts, weil mich die Story an sich leider nicht wirklich anspricht. Aber trotzdem interessante Rezension.

    Dankeschön für deine lieben Worte <3.
    Ja das mit dem Neid beobachte ich auch kritisch. Natürlich ist es eine menschliche Eigenschaft und jeder von uns hat sicherilch mal Momente, wo er sich wünschte auch mehr von etwas zu haben, aber sobald das dann täglich passiert oder überhand nimmt, ist es einfach gefährlich. Zumal bespielsweise der Neid gegenüber Flüchtlinge, wo manche ja denken, die würden so viel Geld vom Staat geschenkt bekommen, auf komplett falschen Fakten basiert.

    Da hast du Recht, das Internet bietet jedem eine Fläche, aber ich finde das die Netzwerke auch in der Pflicht stehen bei Beleidigungen, rassistischen Kommentaren oder auch Frauenfeindlichkeit und Homophobie einzugreifen. Das wird leider nur nicht getan und das ärgert mich dann wiederum. Vor allem weil ich immer wieder höre, dass es total schwer ist so was dann auch zu melden. Ich habe mal was bei Facebook gemeldet und das war mega kompliziert :/.

    Dankeschön für deine liebe Antwort, das freut mich zu hören <3. Ich hätte da aber auch noch ein bisschen mehr als Britney zu bieten xD.

    Kann die aber verstehen, denn das Ende des Urlaubs ist ja immer etwas bittersüß, auf der einen Seite freut man sich weider auf den Alltag, aber vermisst auch die viele Freizeit. Wünsche dir noch ein schönes Wochenende, genießt die Zeit zusammen.

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    1. Ich habe mir ja auch mehr erhofft und musste feststellen, dass es nicht meins war, auch wenn Musso einer meiner liebsten Autoren bleiben wird.

      Ungerechtigkeit wird es leider immer geben. Ich finde aber auch, dass jeder Einzelne von uns dafür Sorge zu tragen hat, sofern etwas nicht stimmt, einzugreifen. Deshalb finde ich es gut, dass du, als dir bei Facebook etwas auffiel, gehandelt hast. Ich kann mir vorstellen, dass das auf einer solchen Plattform schwierig ist. Leider.

      Vielen Dank dir!

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